woman.at: Was der igevia-Stoffwechseltest drei WOMAN-Redakteurinnen verriet

Ob ihre Körper auf Kohlenhydrate überreagieren, mit Proteinen ihre Freude haben oder an Fett verzweifeln - das haben drei WOMAN-Redakteurinnen mit dem igevia-Stoffwechseltest herausgefunden. In einem Erfahrungsbericht verraten sie uns ihre Ergebnisse!

Quelle: woman.at 2021, Copyright: Scientific DX 2021

Redaktion: Anne-Marie Darok

Bestimmen meine Gene, was ich essen darf?

Wie wir verschiedene Lebensmittel verstoffwechseln, hängt auch von der genetischen Veranlagung ab. Ob ihre Körper auf Kohlenhydrate überreagieren, mit Proteinen ihre Freude haben oder an Fett verzweifeln - das haben drei WOMAN-Redakteurinnen im Rahmen eines Gen-Tests herausgefunden.

One-Size-Fits-All? Das hat noch nie gepasst. Weder bei Kleidungsstücken, noch beim Thema Essen. Natürlich kann man sich nach Paleo, Keto, intermittierendem Fasten oder anderen Ernährungstrends richten – kurzfristig erreicht man damit auch Veränderung. Aber ist es nicht merkwürdig, wie stark sich diese Diäten teilweise widersprechen und trotzdem zum selben Ergebnis führen sollen?

Für manche Menschen ist es beispielsweise tatsächlich sinnvoll, Kohlenhydrate zu reduzieren, für andere sind Milchprodukte belastend. Und wieder andere können essen, was sie wollen, ohne auch nur ein Gramm zuzulegen. Unfair? Ja, eh! Aber für die Gene kann man halt nichts.

Das Erbgut als Schlüssel zum Erfolg

Letztlich läuft alles auf die persönliche Veranlagung, die im Erbgut festgelegt ist, hinaus. Knackt man den Gen-Code, dann ist dies nicht nur der Schlüssel zum Wunschgewicht, sondern auch endlich eine Antwort auf die Frage, wie man sich richtig ernähren soll. Zumindest behaupten das die ExpertInnen eines recht neuen Zweigs der Ernährungsbranche, der sich auf das Thema DNA & Stoffwechsel spezialisiert hat. Das österreichische Start-Up igevia bietet einen DNA-Test an, der die Geheimnisse des eigenen Stoffwechsels enthüllen soll.

WOMAN-Redakteurinnen wagen den Selbsttest

Der erste Schritt: Erbgut entnehmen. Dafür muss man nicht mal die eigenen vier Wände verlassen, sondern bekommt das Kit nach Hause geschickt. Vom "bespeichelten" Test-Stäbchen wird im Labor die DNA entnommen. Zu 99,9 Prozent sind die Menschen genetisch gesehen ident. Erst die restlichen 0,1 Prozent sorgen dafür, dass wir keine Klone werden – und eben Nahrung unterschiedlich verwerten.

Laut igevia-Webseite erfolgt die Auswertung auf Grundlage "aktueller wissenschaftlicher Studien mit einer anerkannten Untersuchungsmethodik". Die persönlichen Ergebnisse erhalte man "im Einklang mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)".

Was man genau erfährt man da jetzt?

  • Stoffwechseltyp (Kohlenhydrattyp, Proteintyp, Fetttyp – und Mischformen)
  • Sporttyp (Ausdauer, Kraft oder Mischform)
  • Informationen über die Neigung zu Übergewicht, Jo-Jo-Effekt, Hungergefühl
  • Liste geeigneter Lebensmittel

Michaela, 44: "Darf ich vorstellen: Ich bin der Proteintyp"

"Seit ich mit Anfang 20 das erste Mal eine Diät gemacht habe, ist mein Leben ein einziger Jo-Jo-Effekt: Das Gewicht geht immer wieder rauf, runter und rauf. Im Fokus ist die Unzufriedenheit mit der Zahl auf der Waage seitdem leider immer. Daher war ich umso neugieriger, als ich erfuhr, dass man mittels DNA-Test herausfinden kann, was für ein Stoffwechseltyp man ist. Denn vielleicht habe ich ja all die Jahre 'gegen' meinen Typ gegessen und deswegen die Probleme mit meinem Gewicht? Und nun würde ich ich die typgerechte Lösung erhalten? Oder wollte ich anhand dieses Testes nur die Absolution, dass ich für meine vermeintliche Undiszipliniertheit gar nichts kann?

Nach der unkomplizierten Durchführung zuhause, landete wenige Tage später das Ergebnis in meinem virtuellen Briefkasten: Darf ich vorstellen: Ich bin der Proteintyp. Und sollte weniger auf Kohlenhydrate und Fett (adieu Weißbrot, Kuchen, Schoko, Chips & Co), sondern auf Eiweiß setzen. Meine Neigung zum Jo-Jo-Effekt wurde mir schwarz auf weiß bestätigt. Die Diagnose, dass ich "nicht zu starkem Hungergefühl neige", können meine Heißhunger-Attacken und ich nicht bestätigen.

Sehr hilfreich war im mehrere Seiten umfassenden Test-Report die Aufzählung der „guten“ Lebensmittel (Tofu, Quinoa oder Hülsenfrüchte), der ich meinen neuen Frühstücksfavoriten Porridge verdanke. Aber auch die Auflistung der 'neutralen' (Fisch, Eier, Kartoffeln oder Fleisch) sowie 'schlechten' Lebensmittel (fettreiche Milchprodukte, Weizenmehlprodukte oder Fruchtsäfte, was mich sehr erstaunt hat) fand ich hilfreich.

Ich muss gestehen, ich habe mich danach nicht komplett an die Liste gehalten. Vor allem, da die letzten Monate sehr stressreich waren und dann geht es nicht ohne kleine Sünden. Aber ich habe trotzdem versucht, mehr auf Proteine zu setzen. Und ich bemerkte, dass mich diese auch länger satt und zufrieden machen. Nur wenige Umstellungen in meinem Ernährungsverhalten haben bewirkt, dass ich 1,5 Kilo in 6 Wochen abnahm. Und das ohne explizite Diät! Jetzt bin ich gespannt, ob diese auch unten bleiben…"

Anna, 29: "Ich darf einfach alles essen – Halleluja!"

"Ich habe jahrelang mit dem klassischen Jo-Jo-Effekt gekämpft. Mal waren es 3 Kilo mehr, dann wieder 5 Kilogramm weniger und umgekehrt. Angegangen bin ich meine Diäten dabei immer radikal: Low Carb, Krautsuppe, Saft-Fasten. Dazu kamen unzählige Stunden, die ich am Laufband verbracht habe. Ohne wirkliche Erfolge.

Irgendwann war es mir zu blöd. Ich habe aufgehört, Kalorien zu zählen, alles gegessen worauf ich Lust hatte und vor allem angefangen, mit Gewichten zu trainieren und am Laufband eher zu sprinten als zu joggen. Weil ich nicht länger Angst davor haben wollte „zu muskulös“ zu werden. Und siehe da: Mein Mini-Gewichtsproblem löste sich wie von selbst. Und das, obwohl ich mehr esse denn je. (Und dementsprechend glücklicher bin.)

Der Stoffwechseltest bestätigte, dass ich unbewusst alles richtig gemacht habe. Und es vermutlich auch deswegen funktioniert: Ich bin ein Mischtyp, der sämtliche Kalorienquellen gleich gut verwerten kann Auch mit Kraftraining und Schnellkraft lag ich goldrichtig. Ausdauersport bringt bei meinem Gentyp nämlich eher weniger. Dass ich "zu Übergewicht neigen" soll kann ich hingegen nicht bestätigen. Übergewichtig war ich nämlich trotz schwankendem Gewichts nie. Und auch meine Family gehört eher der Kategorie 'Bohnenstangen' an."

Anne, 29: "Ich bin ein Kohlenhydrattyp – für mich der Sechser im Ernährungs-Lotto"

Alle kohlenhydratreichen Lebensmittel sind meine besten Freunde. Doch so, wie sich das coole Girl in der US-Highschool-Komödie für ihre Nerd-Freunde schämt, so habe auch ich immer das Gefühl gehabt, mich nicht mit zu viel Kohlenhydraten erwischen zu lassen. Die haben nämlich in den meisten Ernährungsformen nicht den besten Ruf. Durch den Test erfuhr ich, dass ich tatsächlich ein Kohlenhydrattyp bin – für mich Sechser im Ernährungs-Lotto! Mehl, Kartoffeln, Brot, Nudeln: Sie alle stehen ganz oben auf meiner Nahrungsmittel-Liste. Nur, wenn es um Proteine geht, gilt: Finger weg!

Was mich ein wenig frustriert hat, ist mein Sporttyp: "Schnellkraft" – Krafttraining mit schnellen, starken Bewegungen. Falls ich mit Sport abnehmen wollen würde, müsste ich mehrmals die Woche ein länger andauerndes Programm à la Tempoläufe, Circle-Training oder Schwimmen auf Zeit absolvieren. Für mich ein furchtbarer Gedanke, da ich selbst für eine halbe Stunde Yoga all meine inneren Kräfte mobilisieren muss. Gleichzeitig erklärt dies aber schon, warum ich selbst in meinen 'sportintensiveren' Phasen nie wirklich abgenommen habe, während mein Trainings-Buddy schon nach kurzer Zeit tolle Erfolge feierte."

Wie aussagekräftig sind Stoffwechseltests wirklich?

Alexandra Kautzky-Willer Beweiskraft vieler derzeit propagierten DNA-Tests allerdings an: "Wir wissen leider noch zu wenig, um echte personalisierte Medizin anbieten zu können", so die Leiterin des Zentrums für endokrine und Stoffwechsel-Erkrankungen an der medizinischen Universitätsklinik Wien. Wesentliche gesundheitlichen Risikofaktoren wie Prä-Diabetes, hohe Blutfette oder eine ungünstige Fettverteilung kann man durch simple Tests und Biomarker treffsicher feststellen, manche seltenere Formen von Übergewicht oder Diabetes durch Gentests nachweisen. Auch epigenetische Veränderungen (also die Aktivität von Genen) könne zum Krankheitsrisiko beitragen, die auch durch Umwelt und Lebensstil beeinflussbar sind.

Faktoren, wie etwa sportliche Veranlagung oder ein genaues Ernährungsprofil, könne man aus Gentests derzeit nur vage ablesen. Außerdem sind die meisten Empfehlungen guter Tests auch allgemein gültig und entsprechen einer gesunden Lebensweise. "In der Zukunft wird eine Kombination aus genetischen Befunden und anderen Biomarkern, Geschlecht, Alter und für die einzelnen Betroffenen wichtiger Parameter der Lebensqualität zu einer Präzisionsmedizin führen", so die Medizinerin.

Trotzdem rät die Expertin auch jetzt nicht generell von solchen Testungen ab. Nur mahnt sie zur Vorsicht: "Wichtig ist, dass man sich nur an vertrauenswürdige Labors wendet, deren Ergebnisse auf Studien basieren. Die sollten immer wieder neu evaluiert werden." Außerdem solle man eine Firma wählen, die eine ärztliche Aufsicht anbietet, damit "man die Ergebnisse und das weitere Verfahren nachbesprechen kann".

Wer schon einen solchen Test gemacht hat, sollte demnach nicht "jedes Wort auf die Goldwaage lege", so Kautzky-Willer. Um ein gesundes Leben zu führen, kann es jedenfalls hilfreich sein, den eigenen Körper besser zu kennen. Empfehlungen werden vielleicht auch eher eingehalten und Erfolge motivieren zum Weitermachen.

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