Cannabisallergie – die bisher kaum beachtete Allergie

Durch die weltweit fortschreitende Legalisierung von Cannabidiol (CBO) und den vermehrten Einsatz in diversen Produkten z.B. in der Kosmetikbranche, kommen immer mehr Menschen mit Cannabis in Berührung. Was bisher noch weitgehend unbekannt ist: Auch die älteste Nutzpflanze der Welt, kann ein Allergieauslöser sein. Unser Medical-Team berichtet:

Cannabis Pflanze Blatt Quelle: Stereo Lights/eigenart/Shutterstock.com - Copyright: Scientific DX GmbH, 2020

Was ist eine Cannabisallergie?

Wie bei allen Allergien handelt es sich auch bei einer Cannabisallergie um eine Überreaktion des Immunsystems auf einen vermeintlich harmlosen Stoff – in diesem Fall auf einen Bestandteil der Cannabis-Pflanze. Bei Cannabis-Erstkontakt über das Rauchen von Joints oder die orale Aufnahme von Cannabisprodukten, kann das Immunsystem mit der Bildung von IgE-Antikörpern im Blut reagieren – der Patient ist somit sensibilisiert. Kommen bei wiederholtem Kontakt allergische Symptome hinzu, spricht man von einer klinisch manifesten Cannabisallergie.

Noch ist wenigen Menschen bewusst, dass der Körper auch auf Marihuana allergisch reagieren kann. Eine Marihuana-Allergie wird daher selten erkannt bzw. als Ursache diverser Symptome ausgemacht. Doch durch die fortschreitende Legalisierung von Cannabidiol (CBO) innerhalb der EU und einigen amerikanischen Ländern, wie Uruguay und manchen US-Staaten, kommen immer größere Teile der Bevölkerung mit Hanf in Berührung. Ein Anstieg an Betroffenen mit einer Cannabisallergie ist laut Fachorganisationen wie der American Academy of Allergy, Asthma & Immunologie (AAAAI) in den kommenden Jahren zu erwarten.

Auslöser einer Cannabisallergie

Der genaue Allergieauslöser von Cannabis wurde bereits identifiziert. Es handelt sich dabei um den Eiweißstoff Can s 3. Dieser wurde offiziell von der IUIS (Internationale Union of Immunological Societies) als Allergieauslöser akzeptiert und zum Testen einer Cannabisallergie herangezogen. Auch weitere Pflanzenbestandteile spielen vermutlich eine Rolle, müssen jedoch noch genauer untersucht werden.

Typische Beschwerden einer Cannabisallergie

  • Gerötete Augen
  • Schwellung der Augenlieder
  • Verstopfte Nase
  • Rinnende Nase
  • Geschwollene Schleimhäute
  • Husten
  • Atemnot
  • Nesselsucht, Hautausschläge
  • Schwellungen der Haut
  • Anaphylaktischer Schock

Zwei Fallberichte

Ein Schweizer Forscherteam stellte beim europäischen Allergiekongress EAACI 2020 den Allergieverlauf zweier junger Patientinnen vor:

Im ersten Fall wurde die Patientin nach dem Rauchen eines Joints von ihrer Allergie überrascht: Sie berichtete von juckenden, geröteten und geschwollenen Augen, einer laufenden Nase und auch von Hautausschlägen, d.h. es blieb bei einem geringen Schweregrad der Reaktion.

Bei der zweiten Patientin, die bekanntermaßen an Asthma litt, traten weit schwerere Symptome auf, die einer anaphylaktischen Reaktion des Schweregrades III entsprachen. Ausgelöst wurden diese durch das Trinken eines cannabishaltigen Mandel-Milchshakes. Hautausschläge, Atemnot, Benommenheit, Bauchkrämpfe und Durchfall waren die Folgen. Ihre Symptome machten sich nicht nur beim Rauchen oder durch die orale Aufnahme von Hanfprodukten im Magen-Darm-Trakt bemerkbar, sondern auch bei Hautkontakt mit den weiblichen Pflanzen der Cannabis. Das Krankheitsbild einer Cannabisallergie kann also sehr vielseitig sein – lebensbedrohliche Zustände sind nicht ausgeschlossen. Vor allem die rasche Zufuhr von großen Cannabis-Mengen über den Konsum von Hanfsamen oder durch das Trinken von Cannabis-Tees, kann für Betroffene gefährlich werden. Daher ist es umso wichtiger, eine Cannabisallergie rechtzeitig zu erkennen.

Diagnose einer Cannabisallergie

Um eine Cannabisallergie korrekt zu testen, eigenen sich Untersuchungen, bei denen das Blut des Patienten auf das Vorhandensein von allergenspezifischen IgE-Antikörpern untersucht wird.

Bei igevia wird bei 285 Allergenen auch das Cannabis-Allergen Can s 3 mitbestimmt.

Cannabis- und Kreuzallergien

Wie auch bei vielen Pollenallergien ähneln Cannabis-Allergene jenen, die in bestimmten Nahrungsmitteln zu finden sind. Die Ähnlichkeit ist so groß, dass das Immunsystem die Proteine nicht unterscheiden kann und eine sogenannte Kreuzallergie ausgelöst wird. Patienten leiden somit nicht nur nach Cannabis-Konsum, sondern auch nach dem Verzehr von Früchten und Nüssen an allergischen Symptomen.

Bei folgenden 6 Obst-/Gemüsesorten kommt es am häufigsten zu einer Cannabis-Kreuzallergie:

  • Tomaten
  • Pfirsiche
  • Bananen
  • Äpfel
  • Kirschen
  • Nüsse
Stethoskop

Medizinisch geprüft

Dieser Artikel wurde von Mag. Nora Zulehner, PhD auf seine medizinische Richtigkeit geprüft.

Quellen:

  • https://www.ecarf.org/ ↗

  • Armentia, A. et al., 2011: Allergic hypersensitivity to cannabis in patients with allergy and illicit drug users. Allergol Immunopathol, 39, 271-279.

  • Majali Thomas ZR et al., 2020: Allergy to Cannabis sativa – two illustrative cases of an old drug with new relevance. EAACI 2020 Postersession

  • Tessmer, A., et al., 2012: Hypersensitivity reactions to marijuana. Annals of Allergy, Asthma & Immunology, 108 (4), 282-284.

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